psychosomatische systemik        
     



PSYCHOSOMATISCHE SYSTEMIK

Wie jede Behandlung seelischer oder körperlicher Störungen, sind auch psychosomatisch/psychotherapeutische Behandlungsmethoden nach wissenschaftlichen Kriterien durchzuführen, um in der praktischen Arbeit geplante und nachweisbare sowie wünschenswerte Wirkung zu erzielen.

Es folgt eine kurze Darstellung der Prinzipien des psychosomatisch- systemischen Ansatzes. Ziel ist, im Zusammenhang mit diesem Konzept eine entsprechende Methodik (=psychosomatische Systemik) zu entwickeln.

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Diese Darstellung wird schließlich ergänzt durch eine Einladung, an Sitzungen des Arbeitskreises für psychosomatische Systemik teilzunehmen.

Psychosomatische Systemik meint den bewussten und geplanten Einsatz systemischer Technik zur Erweiterung der individuellen (Tiefen-)Wahrnehmung im Bereich der eigenen, größten Teils unbemerkt und reflexartig ablaufenden psychosomatisch vermittelten Regelkreise und Zusammenhänge sowie der damit verbundenen stofflichen und psychischen Reaktionen. Der Einsatz von Techniken ist höchstwahrscheinlich besonders dann positiv wirksam, wenn Gruppenmitglieder und therapeutische Leitung einen möglichst guten Zugang zu eigenen inneren Prozessen haben und damit insgesamt ein seelisch nährendes Klima für die geplanten Prozesse zustande kommt.

Das Basiskönnen für dieses Konzept vermittelt m.E. die klientenzentrierte Psychotherapie nach Rogers ( z. B. 1977, Therapeut und Klient). Deren zentrale Inhalte, also die reflektierte und geschulte therapeutische Haltung sowie deren Betonung des systemischen Effekts der „Weisheit der Gruppe“ liefern den schützenden Rahmen und nährenden Boden für die konkrete Arbeit. Gelebte menschliche Gleichwertigkeit und die Beziehungsorientierung des Ansatzes sowie die verfeinerte Technik des Umgangs mit sich selbst (Focusing) stellen weitere wissenschaftlich erkundete und in ihrer Wirksamkeit anerkannte Bausteine im klz. Theoriegebäude dar, die geeignet sind, zur Vertiefung der inneren Wahrnehmung und damit zur Anregung heilsamer Prozesse zu führen. In neuerer Zeit ist es vor allem Grawe, der Bedingungen für seelische Gesundheit beschreibt (2004, Neuropsychotherapie, Kap. 4: Bedürfnisbefriedigung und psychische Gesundheit).

Methodisch werden nach Vorgesprächen die Prinzipien des individuellen Krankheitsgeschehens durch systemisch-strukturelle Aufstellungsarbeit verdeutlicht.

 

Verständniszugang zu Krankheit und Störung aus dieser Sicht:

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Erleidet ein Organismus entweder über längere Zeit oder nur einmalig aber schockartig eine Entbehrung hinsichtlich seiner Grundbedürfnisse, baut er auf Grund seiner Fähigkeit zur Resilienz mit eigenen Mitteln „Hilfskonstruktionen“, um weiter überlebensfähig zu sein oder angelegte Fähigkeiten (weiter) entwickeln zu können. Dieses Prinzip trifft auf körperliche Welten ebenso zu wie auf seelische und ist abhängig von Offenheit/Flexibilität einerseits oder Festgelegtheit/Starre andererseits (schönstes Beispiel: eineiige Zwillinge – beide aus Teilung entstandene Zellen entwickeln sich zu vollständigen Organismen oder: fußmalende Künstler...; seelisch: die Erfahrung geschlagen zu werden, kann als lebenserhaltender erscheinen als nicht beachtet zu werden. In weiterer Konsequenz gestaltet sich die Seele dann eine Welt, in der „Geschlagen werden“ eine wichtigere Rolle spielt als „Geliebt werden“).

Solche seelischen Hilfskonstruktionen können sich im Lauf der Zeit zu mehr oder weniger gravierenden Störungen oder Krankheiten entwickeln, da früh (als Eizelle, Keimling, Embryo usw, in existenzieller Abhängigkeit und absoluter Hilflosigkeit) gebaute Brücken im zunehmend bewusst werdenden beseelten Leben des Erwachsenen die möglichen Handlungs- und Erlebnisspielräume eingrenzen. Es wird massiv Stress erzeugt, mit den Folgen, die Stress ohne Ziel, Inhalt und Erfüllung im Lauf der Zeit mit sich bringt. Auch bisher unauffällig gebliebene körperliche Reaktionen (z. B. chronische Angst, rot Werden, mimische oder haltungsmäßige Eigentümlichkeiten) werden zunehmend als dysfunktional empfunden, können krank machen oder die Lebensqualität beeinträchtigen. Hinzugefügt sei, dass gesellschaftliche Gegebenheiten die Auswirkung solcher Notlösungen verschärfen oder abschwächen (Umgang mit Alkoholkrankheit oder Drogen oder das Ansteigen von Burn out in wirtschaftlich schwerer Zeit seien als Beispiele genannt).

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Psychosomatische Systemik nun, deren zentrale Technik die Aufstellungsarbeit und damit verbundene Symbolisierungen sind, stellt ein Mittel dar, das Menschen dazu verhilft, ihre Gesundheit zu fördern: Frühe psychosomatische Reaktionen können in bewusstes Hier- und Jetzt-Erleben integriert werden. Deren krankmachende Auswirkung wird relativiert, frei werdende Energien neu integriert. Die partielle Regression, die durch reflexartige, früh gelernte Reaktionen biochemischer und emotioneller Natur erfolgt, wandelt sich durch Annehmen und Verstehen im Zusammenwirken mit der Gruppe zum Lernfeld für neues Verhalten.

Ziel ist es, die Wirkanteile der Aktualisierungstendenz mit Hilfe erweiterter Körperwahrnehmung (im Rahmen einer System-Aufstellung z.B.) in Richtung Heilung zu bewegen, statt wie bisher in Richtung Kompensation oder Ausgleich des Störenden im Sinne des Überlebens, in früher Lebenszeit die einzig mögliche Reaktion des Organismus und der Seele.